Ein Angebot für eine stationäre Pflegeeinrichtung in Röttenbach

Der demografische Wandel schreitet voran und in Röttenbach wird immer wieder darüber diskutiert, ob ein Pflegeheim vor Ort sinnvoll ist oder nicht.

Antworten auf diese Frage liefert am ehesten die Pflegebedarfsplanung, des Landkreises Erlangen-Höchstadt, die den Bedarf an zusätzlichen stationären Pflegeplätzen im Landkreis deutlich aufzeigt.

Doch sollte sich Röttenbach hier engagieren?

Diese Frage möchten wir klären, indem wir mögliche Bürgerfragen aufgreifen und anhand von Zitaten aus dem Pflegebedarfsplan beantworten.

Benötigt Röttenbach überhaupt eine Einrichtung zur stationären Pflege? Reichen die Kapazitäten der umliegenden Gemeinden nicht aus?

Nein, im Landkreis Erlangen-Höchstadt werden die Pflegeheimplätze nicht reichen, tatsächlich reichen sie schon heute häufig nicht.

Zitat: "Im vollstationären Bereich hat der Landkreis Erlangen-Höchstadt im Mittelfranken vergleich aktuell die niedrigste Versorgungsquote je 1.000 Einwohner [...]. Bis 2043 ist eine Unterdeckung von bis zu 900 Pflegeplätzen im Landkreis Erlangen-Höchstadt möglich."

Zitat: "Hier weist die Pflegestatistik für den Landkreis Erlangen-Höchstadt 35 verfügbare vollstationäre Pflegebetten je 1.000 Einwohner 65plus aus, was der niedrigste Wert im mittelfränkischen Gesamtvergleich (49) ist."

Zitat: " 7 von 11 Einrichtungen im Landkreis Erlangen-Höchstadt haben in der Befragung angegeben, dass sie im vergangenen Jahr Kundenanfragen abweisen mussten, sowohl für die Dauerpflege (100 %) als auch die Kurzzeitpflege (88 %)"

Wird der Landkreis Erlangen-Höchstadt Kapazitäten für stationäre Pflege schaffen müssen?

Ja, verglichen mit den Nachbarlandkreisen ist die Pflegeplatzdichte sehr gering.

Zitat: "Hier weist die Pflegestatistik für den Landkreis Erlangen-Höchstadt 35 verfügbare vollstationäre Pflegebetten je 1.000 Einwohner 65plus aus, was der niedrigste Wert im mittelfränkischen Gesamtvergleich (49) ist.
Die Streuung in Mittelfranken ist aber regional immens: während eben z. B. im Landkreis Erlangen-Höchstadt nur 35 Plätze auf 1.000 65-Jährige und älter zur Verfügung stehen, sind es im Landkreis Fürth und im Landkreis Nürnberger Land ein Drittel mehr, in der Stadt Ansbach sogar doppelt so viele."

Profitieren pflegebedürftige Röttenbacher überhaupt von einem örtlichen Pflegeheim oder sind am Ende nicht alle Plätze durch Bewohnern anderer Gemeinden besetzt?

Ja, ein Pflegeheim kann nicht nur mit Bewohnern aus dem Ort besetzt werden, aber die Belegung mit Personen aus der eigenen Gemeinde liegt im Durchschnitt bei 34%.

Zitat: "Im Landkreis Erlangen-Höchstadt liegt der Anteil der Landkreisbewohner in vollstationären Einrichtungen bei 83 %. Noch kleinteiliger betrachtet hatte hier im Schnitt ein Drittel (34 %) der Bewohner einer Einrichtung ihren letzten Wohnsitz auch in der Kommune, in der die Einrichtung steht."

Kann ich nicht einfach bis zu meinem Tod zu hause versorgt werden, z.B. mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienst oder einer 24 h Pflegekraft?

Vielleicht.
Es stimmt, dass Pflegebedürftige aller Pflegegrade in den letzten Jahren immer häufiger zu Hause versorgt wurden.
Ambulante Pflegedienste scheitern häufig an der 24h Betreuung, 24h Pflegekräfte an komplexen pflegefachlichen Maßnahmen.
Bei einer plötzlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands, wie in den letzten Lebensmonaten und -wochen, stoßen diese Versorgungsformen an ihre Grenzen.
Gerade dann ist es wichtig, regionale Einrichtungen zu haben, in denen eine Versorgung bis zum Lebensende gewährleistet ist.

Zitat: "Die Hauptaufgaben der Pflegeheime verschieben sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu umfassenden geriatrischen und palliativmedizinischen Behandlungen."

Selbst wenn wir ein Pflegeheim hätten, gäbe es überhaupt genug Pflegekräfte um es betreiben zu können?

Tatsächlich ist der Pflegemangel bereits heute gravierend und wird sich zukünftig weiter verschärfen. Umso mehr sollte eine engagierte Gemeinde wie Röttenbach, die kontinuierlich an ihrer Attraktivität für Jung und Alt arbeitet und sozialen Wohnraum schafft, diese Situation als wichtige Zukunftsaufgabe begreifen und aktiv angehen.
Im direkten Wettbewerb um Pflegekräfte kann ein durchdachtes und von der Gemeinde strukturell getragenes Gesamtkonzept dazu beitragen, die verlässliche Versorgung der Bewohner langfristig zu sichern.
Besonders wirkungsvoll wird ein solcher Ansatz, wenn es gelingt, zusätzlich engagierte Ehrenamtliche als wertvolle Unterstützung zu gewinnen.

Zitat: "Zwar gehen aktuell noch mehr Pflegende in den Arbeitsmarkt als ausscheiden, der Kipp-Punkt wird aber laut Studie der Vereinigung der Pflegenden in Bayern im Freistaat 2028 erwartet"

Zitat: "Mehr als 70 % der Einrichtungen haben mindestens eine unbesetzte Stelle. Insgesamt fehlen zum Befragungszeitraum 28 Fachkräfte und nicht examinierte Kräfte/Hilfskräfte im vollstationären Bereich im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Knapp die Hälfte (45 %) der Einrichtungen musste aufgrund des Fachkraftmangels auch bereits Betten sperren, hier je nach Größe der Einrichtung zwischen 3 und 8 Betten.

Quellen: Kurzpräsentation: https://www.erlangen-hoechstadt.de/media/16975/praesentation-pflegebedarfsplanung-2025.pdf

Langversion: https://www.erlangen-hoechstadt.de/media/16974/bericht-pflegebedarfsplanung-2025.pdf

FAZIT:

Eine stationäre Pflegeeinrichtung in Röttenbach wäre aus unserer Sicht sinnvoll und zukunftsweisend. Wir von der SPD Röttenbach unterstützen dieses Ziel ausdrücklich.
Gleichzeitig ist klar, dass die Verantwortung für die flächendeckende Versorgungsplanung beim Landratsamt liegt.

Dennoch sollte sich die Gemeinde in den kommenden Jahren aktiv damit befassen, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten und frühzeitig zu prüfen, welcher Standort im Ort sich für eine Pflegeeinrichtung am besten eignet.
Das Pflegeheim selbst müsste von einem externen Träger betrieben werden. Daher kann die Gemeinde die konkrete Ausgestaltung und Kapazitätsplanung einer solchen Einrichtung nur in enger Abstimmung mit einem zukünftigen Träger und dem Landratsamt erarbeiten.
Am sinnvollsten wäre aus unserer Sicht eine Einrichtung mit einem integrierten Palliativbereich, wie er beispielsweise im Stephanus Senioren- und Pflegezentrum in Dinkelsbühl etabliert wurde. https://www.stephanusheim.de/pflege-betreuung/hospiz-/palliativpflege

Beitrag erstellt von Bernd Hoffmann
Vorstand SPD Röttenbach, Stellv. Stationsleitung der Palliativstation Erlangen, onkologischer Fachkrankenpfleger, Palliativfachkraft

Bernd Hoffmann